Tagungsbericht

Fachtagung Potenziale regionaler Wertschöpfung durch Ökosystemleistungen

Am 24. November 2015 kamen mehr als 100 Besucher in die Räumlichkeiten des Klosters St. Marienthal, um an einer Fachtagung zu dem Thema „Potenziale regionaler Wertschöpfung durch Ökosystemleistungen“ teilzunehmen. Die Themenspanne reichte jedoch weit über dieses Themengebiet hinaus. Das Leitmotiv, welches alle Beiträge verband, war das verantwortungsvolle Wirtschaften und der bewusste Umgang mit der Natur und den natürlichen Ressourcen.

Zunächst waren es die kirchlichen Vertreter, Äbtissin Regina Wollmann aus dem Kloster St. Marienthal und Altabt Henckel Donnersmarck aus der Erzdiözese Wien, welche die Notwendigkeit des gesellschaftlichen Zusammenhaltes, der Schöpfungsverantwortung und die Möglichkeiten jedes Einzelnen zum Natur- und Umweltschutz betonten. Herr Altabt Donnersmarck brachte den Teilnehmern die Inhalte der Umweltenzyklika „Laudato si“ vom Papst Franziskus näher und erläuterte die Zentralthemen dieser Schrift wie beispielsweise die derzeitigen Formen der Marktwirtschaft mit ihren Auswirkungen auf Machtstrukturen, das Phänomen der Wegwerfkultur oder die Suche nach einem neuen Verständnis für Wirtschaft und Fortschritt in Einklang mit dem Nachhaltigkeitsgedanken.

Über die Nachhaltigkeitsprinzipien sprach auch Herr Dr. Stephan Meyer, Mitglied des sächsischen Landtages. In seinem Impulsvortrag erörterte er die Nachhaltigkeitsstrategie des Freistaates Sachsen und unterstrich ebenfalls die ganzheitliche Betrachtung der drei Nachhaltigkeitssäulen Ökonomie, Ökologie und Soziales. Die Anwendung dieses Konzeptes erfolge in Sachsen durch eine nachhaltige Gestaltung der Bildungs- und Finanzpolitik, durch die Sicherung der Versorgung, des Klimaschutzes sowie die Gestaltung der städtischen und ländlichen Räume und die Schonung der natürlichen Lebensgrundlagen. Auch er regte zu einem betrieblichen Handeln an, das ausgerichtet ist „…an ethischen Grundsätzen zur Achtung der berechtigten Interessen des Einzelnen, zur Chancengleichheit und zur Teilhabe an Sicherheit und Versorgung“[1].

Im Weiteren referierten Vertreter deutscher Pionierunternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit über ihren umweltschonenden betrieblichen Alltag. Frau Karin Pretzel berichtete über eine mehr als 50-jährige Nachhaltigkeitstradition bei der HIPP GmbH & Co. Produktion KG. Klimaneutrale Produktion, eigene Ethikcharta, Rohstoffe aus zertifizierten Quellen oder die Gründung eines Musterbetriebes zur Erforschung der Biodiversitätsleistungen in landwirtschaftlicher Produktion sind nur beispielhafte Handlungsfelder, die dazu beitragen, dass HIPP sein Unternehmensziel Biodiversitätsschutz realisieren kann. Herr Dr. Ehrnsperger, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Neumarkter Lammsbräu Gebr. Ehrnsperger KG sprach über ein unternehmerisches Handeln im Einklang mit Ökosystemleistungen. Die Übernahme von gesellschaftlicher und gestalterischer Verantwortung führe nämlich zur langfristigen Unternehmenserhaltung, ermögliche die Produktion besserer und genussreicherer Lebensmittel und stütze die regionale, multifunktionale, bäuerliche Landwirtschaft. Die Firma Neumarkter Lammsbräu produziert alkoholische und nicht alkoholische Getränke, deren Rohstoffe aus regionalem und ökologischem Anbau stammen. Hilfsmittel wie Stabilisatoren oder Konservierungsstoffe werden nicht eingesetzt.

Dass aber auch kleine und mittelständische Unternehmen in der Region Dreiländereck den Schritt mit großen Playern halten können, zeigte der zweite Teil der Veranstaltung. Im Rahmen einer so genannten Speed-Reporting-Runde berichteten insgesamt zwölf regionale Unternehmen in jeweils fünf Minuten über ihre Beiträge zum Biodiversitätsschutz und zur Stärkung der regionalen Wirtschaft. Traditionelle Herstellungsverfahren, Nutzung regionaler Rohstoffe, Erfahrungen mit regionalen Vermarktungsinitiativen sowie Beiträge zum Erhalt der Lebensräume, etwa durch die Pflanzung von Obstwiesen, sind nur einige Beispiele, wie Unternehmen aus Deutschland, Polen und Tschechien eine nachhaltige Entwicklung realisieren. Die referierenden Unternehmensvertreter beteiligen sich auch als Modellpartner an einem tschechisch-polnisch-sächsischen Kooperationsprojekt, in dessen Rahmen die Fachtagung stattfand und welches durch die Projektmanagerin Frau Anna Havelkova vorgestellt wurde. Zu den Projektzielen gehöre nicht nur die Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklungsfähigkeit im Projektgebiet Dreiländereck, sondern auch ein bewusster Umgang mit Ökosystemleistungen und Biodiversität, welche die Wettbewerbsfähigkeit der Akteure erhöht und einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in der Region leistet.

Zum Ausklang der Veranstaltung genossen die Teilnehmer bei einer Verkostung regionale Produkte. Zum Kaffee wurde Bäckerware der Klosterbäckerei St. Marienthal, der tschechischen Bäckerei LIMMA food a.s. oder Lebkuchen aus dem Isergebirge, handgemacht von Frau Srbova serviert. Im Weiteren präsentierten sich regionale Unternehmen wie der TRIXI Ferienpark, die Schlossbrauerei Fürstlich Drehna, die Sächsische Spirituosenmanufaktur oder Cokozdemy und knüpften die ersten grenzüberschreitenden Kontakte im Rahmen des Projektes.

Obwohl die Tagungsteilnehmer aus unterschiedlichen Ländern kamen und verschiedene Institutionen und Ansichten vertraten, verbindet sie doch eine Gemeinsamkeit. Sie haben die Potenziale der regionalen Wertschöpfung durch Ökosystemleistungen erkannt und ein Zeichen gesetzt, dass sie trotz der aktuellen globalen Krisen und Herausforderungen, die sich auch in ihren Unternehmen bemerkbar machen, an einer nachhaltigen, regionalen Entwicklung interessiert sind und sich für diese auch aktiv einsetzen möchten.

Die Veranstalter bedanken sich recht herzlich bei allen Mitwirkenden für ihre Unterstützung und Beiträge.

[1] Meyer, S: Rede des Landtagsabgeordneten Dr. Stephan Meyer zur Fachtagung „Potenziale regionaler Wertschöpfung durch Ökosystemleistungen, verfügbar unter: http://stephan-meyer-oberlausitz.de/cms/files/15-11-24_rede__kosystemleistungen.pdf (l.Z. 8.12.2015)

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